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Männeryoga

 

Nächstes Wochenende findet in Bad Meinberg erneut ein Männer-Yoga-Seminar statt. Es ist mittlerweile mein viertes in dieser Art. Interessanterweise melden sich im Vergleich zu Frauenseminaren nur wenige Männer an. Woran könnte das liegen?

 

 

 

Nun, wer sich im Yoga Vidya Ashram in Bad Meinberg umschaut, erkennt recht schnell, das mehr Frauen als Männer sich dem (Hatha) Yoga widmen. Während unter den Bewohnern und Mitgliedern des Vereins der Geschlechterteil sich ungefähr die Waage hält, ist der Besuch von Ausbildungen und Seminaren klar von Frauen dominiert. Bei einer Yogalehrer Intensiv Ausbildung mit im Durchschnitt 60 Teilnehmern, ist man als Ausbilder schon froh, wenn 6 Männer dabei sind.

 

 

 

Yoga bedeutet Harmonie und Einheit. Yoga auf allen Ebenen praktiziert, bewirkt ein friedvolles Leben. Ein Attribut wie Frieden wird scheinbar eher dem Weiblichen zugeordnet. Krieg wird eher dem Männlichen zugeordnet. Meines Erachtens ist dies eine unglückliche Interpretation. Ein glücklicher Mann sehnt sich ebenso wenig nach Krieg wie eine Frau. Eine unglückliche Frau ist eher zum Konflikt und Auseinandersetzung bereit, genauso wie ein Mann. Eine allgemeine und pauschale Geschlechterunterscheidung wird vielen Männern ungerecht. Das Männer allerdings in den Krieg ziehen mussten, ist nun mal gesellschaftlich und natürlicherweise so verankert, da Frauen die Kinder austragen und behüten. Der Mann in seiner Wächterfunktion, ist für den Schutz der Familie zuständig. Es gab und gibt auch Kulturen in denen Frauen in Kriegerinnenfunktionen waren und sind. Diese bilden nach heutigem Verständnis eher die Ausnahme, belegen aber das Krieg und Frieden nicht eindeutig nur einem Geschlecht zugeordnet werden dürfen.

 

 

 

Doch all diese unbewussten Annahmen und Vorurteile bewirken meines Erachtens, das Männer weniger bereit sind, sich dem tieferen inneren Frieden zu widmen. Erstens weil sie es tatsächlich weniger gut von der vorherigen Männergenerationen vorgelebt bekommen haben, zweitens weil die Entertainmentindustrie Jugendlichen ein falsches bzw. einseitiges Männerbild vorsetzen, drittens Männer heutzutage massiv verunsichert sind durch die Verwirklichungsstrategien der Frauen und viertens, weil Männer andere Themen zu bewältigen haben als Frauen und viel Wissen darum verloren gegangen ist.

 

 

 

Zwei Weltkriege haben viele Waisenkinder hinterlassen. Enormes soziokulturelles Wissen, welches von Mann zu Mann weitergegeben wird, ist auf den Kriegsfeldern gestorben. Frauen und Mütter konnten nur bedingt die Funktion des Vaters übernehmen. Männer die aus dem Krieg zurückkamen waren traumatisiert. Spielt das heute noch eine Rolle? Ja, denn auch die heutige Generation kennt keine Geschichten über ihre Großväter und Urgroßväter. Hier klafft im Familiensystem eine gewaltige Lücke. Was weitervererbt wird sind Schmerz und vielleicht auch Scham und Schuld. Auch ein Gefühl der Sinnlosigkeit mag dabei sein. Bewältigungsstrategien welche über Jahrhunderte weitergegeben wurden sind weg. Rituale, Lieder, Geschichten und Männerbünde dahin.

 

 

 

Yoga bedeutet Einheit und Harmonie. Wie findet man als moderner Mann seine Harmonie mit einem Verlust und wenig gefühlten Schmerz, wenn kein Gegenüber mehr da ist? Ja, auch der Mann ist ein soziales Wesen und es braucht Männerkreise um sich Männerthemen zu stellen. Männer reden und kommunizieren anders als Frauen. Wenn nur fünf Männer in einem Raum gemeinsam Yoga praktizieren ist eine andere Heilenergie vorhanden als wenn 4 Frauen und ein Mann zusammen praktizieren. Männerkreise und Männeryoga sind eine Gelegenheit um sich als Mann seiner eigenen männlichen Kraft zu nähern, diese zu stärken, anders zu sprechen. Der Blick auf sich selbst wird durch den Siegel des Anderen verändert.

 

 

 

Frauen haben zu recht in den letzten 50 Jahren sich auf das neue behauptet und ihre Rolle neu definiert. Männer haben denselben Prozess durchlaufen, doch nicht so bewusst wir Frauen. Es ist Zeit den Archetyp Mann neu zu entdecken. Seine Wurzel in einem selber zu stärken um der Frau als Hüterin dieses wunderbaren Planeten kraftvoll dienen zu dürfen. Ein Mann in seiner eigenen Rolle aufgehend ist automatisch ein liebevoller Krieger, der dem Guten und schönem dient. Nur die Einsicht dazu ist ein Prozess, den der Mann in unserer Gesellschaft nicht immer so gut ermöglicht bekommt. Es braucht das archaische und das moderne. Es braucht Tag und Nacht. Es braucht Mann und Frau. Es braucht Führung und geführt werden.

 

 

 

Die Entertainmentindustrie, speziell Film, Internet und Videospiele, fördern ein kriegerisches und frauen- sowie naturverachtendes Weltbild. Alle drei Bereiche sind Pixel und Lichtspiele wie auf einer Kinoleinwand. Echt ist da gar nichts. Doch der Geist der Kinder wird auf ungute Weise programmiert. Der Körper unter Höchstspannung kann sich nicht austoben und entwickeln. Kriegsspiele, Kriegsfilme, Pornographie, billige Handlungsmuster und banale Konversationen sind in der Mehrheit. Sich später all dem Kram in seinem Geist und Unterbewusstsein zu stellen ist mühevolle und bedarf einer sanften und disziplinierten Korrektur. Wer im Yoga weiterkommen will, wird sich diesem ganzen Krams wieder entledigen müssen.

 

 

 

Frauen sind hier klar im Vorteil. Meist sind sie sozialer und mutterverbundenen aufgewachsen. Doch auch bei jungen Frauen, welche nicht so ein Glück hatten, stellt man Defizite in ihrer Persönlichkeitsstruktur fest. Junge Männer sind seit langem klar im Nachteil, was Ausbildung ihrer Rolle als Mann in der Gesellschaft und Familie angeht. In den meisten Berufen werden so platte Stereotype weitergelebt, als wären die Filme und Spiele der Jugendzeit noch aktiv. Der ungeheilte Mann schädigt in der Berufswelt die wenigen gesunden Männer noch. Es ist so ein riesiger Bedarf an Heilung der Männlichkeit erkennbar, nur die Männer sehen es selber nicht.

 

 

 

Doch ganz so negativ will ich das Bild auch nicht zeichnen. Ich kenne persönlich schon viele Männer in meinem Freundes- und Bekanntenkreis welche eine fantastische Transformation durchlebt haben. Doch ist mir auch bekannt, das viele Männer noch verunsichert und ungeheilt durch die Welt stolpern und sich dabei noch toll vorkommen.

 

 

 

Yoga verweichlicht keinen Mann, sondern stärkt seine Muskeln, dehnt seine Faszien, lässt das fett schmilzen, die Ernährung wird besser, Gifte wie Tabak und Alkohol verlieren ihre Faszination, das Selbstbewusstsein steigt, die Achtung vor der Schöpfung nimmt zu, die Achtung a der Frau gegenüber nimmt zu, das Leben selber wird heilig und der Mann erkennt sich selbst. Yoga ist ein sanfter Weg zur eigenen Mitte, voller Steine, Mühe und Selbsterkenntnis. Und der Mann beginnt mit seinem Mut und einer Entscheidung am beginn seines Weges. Und er wird erkennen, das viele Männer um ihn herum mit den gleichen Themen konfrontiert sind, das man sich gegenseitig stärken kann in Kooperation, anstatt sein Heil in Konkurrenz zu suchen.

 

 

 

Es dämmert einem schnell, das viele Attribute weder männlich noch weiblich sind, sondern förderlich oder zerstörerisch, weise oder dumm. Dieses Seminar gibt dir die Gelegenheit zum Austausch, zum zusammen sein, zum gemeinsam praktizieren und zum gegenseitigen Helfen.

 

 

 

Es gäbe noch so vieles zu sagen. Doch wir werden sehen, was sich zeigen wird. Und damit werden wir arbeiten. Jeder Mann ist willkommen. Durch deine Anwesenheit machst du es erst möglich. Hari Om

 

 

 

Christian

 

Das Männer-Yoga Seminar findet vom 14.06. - 16.06. im Yoga Vidya Ashram in Bad Meinberg statt. Buchen kannst du unter Seminare. Hier wirst du auf die entsprechend eYoga Vidya Seite gelenkt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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