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Intensiv Yogalehrer Ausbildung

Eine Yogalehrerausbildung ist für jeden Teilnehmer ein besonderer Prozess. Schließlich durchläuft man solch eine Ausbidung meistens nur einmal im Leben. Besonders die Intensiv Ausbildung bei Yoga Vidya stellt jeden Teilnehmer vor unterschiedliche Hindernisse. Ob es nun das volle Programm von 6 Uhr Morgens bis Abends 22 Uhr ist oder das Karma Yoga. Andere haben stark mit ihrem Körper zu tun und sind durch die zwei langen Hatha Yogastunden jeden Tag  stark gefordert. Andere wiederum mühen sich durch den Satsang und die Meditation. Welches Thema auch immer einem Yogi seinen Widerstand aufzeigt, jeder Teilnehmer kommt in einer 4-Wochen Intensiv Ausbildung an seine Grenzen. Und das ist das Schöne am Integralen Yoga nach Swami Sivananda: Wachstum auf allen Ebenen.

 

Doch wie ist das für einen Ausbilder? Mittlerweile war ich 4 Mal in der Rolle des 1. Hatha Yogalehrer und Referenten. Ich untertreibe nicht, wenn ich hier behaupte, alle Ausbilder durchlaufen zeitgleich mit allen Teilnehmern Transformationsprozesse. Jeder gelangt an seine Grenzen, nur eben mit unterschiedlichen Schwerpunkten oder Gewichtungen. Zwar muss ein Ausbilder nicht wie die Anderen die gesamte Zeit präsent sein, doch wenn er auf der "Bühne" erscheint, ist seine Präsenz zu 100% gefordert.

 

Nur von wem ist diese Präsenz gefordert? Natürlich zuallerst vom Yogalehrer selbst. Der Anspruch an die eigene Rolle und Person ist unterschiedlich ausgeprägt, doch behaupte ich hier, das alle Yogalehrer, speziell in so einem sensiblen Bereich wie eine Yogalehrer Ausbildung, sehr hohe Ansprüche an die eigene Praxis und Didaktik stellen.

 

Als Zweites kommen die Ansprüche der Teilnehmer. Diese sind auch unterschiedlich ausgestaltet. Es gibt angehende Yogis, welche zum Teil völlig überzogene Erwartungen an einen Lehrer mitbringen. Entweder weil sie Teils abstruse Bilder eines Gurus mit sich rumtragen, sich einen zweiten Swami Sivananda wünschen, eigene krasse Leistungsansprüche an sich selber stellen und somit an die Lehrer oder ganz einfach, weil sie anfänglich total überfordert sein können. Denn für Manche bedeutet das Leben in einem Ashram mit den dortigen Regeln und Rhythmus einen gewaltigen Kontrast zum bisherigen Leben. So kann ein Yogalehrer schnell zu einer Projektionsfläche des eigenen, nun außer Rand und Band geratenen, Egos werden.

 

Und Drittens fordert eine höhere Macht, das Selbst selbst, eine 100% Präsenz des Yogalehrers und Ausbilders. Jeder Yogalehrer in der Yoga Vidya Tradition und des Sivananda Yogas, ist in dieser Meisterlinie verankert. Deswegen rezitieren wir auch häufiger die Guru Parampara, um uns der Kraft der Meister zu erinnern und uns ihrer Präsenz zu vergewissern. Denn genau das ist eine wichtige spirituelle Übung eines jeden Yogalehrers: sich am Beginn einer Yogastunde vor dem Altar zu verneigen, um Führung zu bitten, um Segen, Gnade, Kraft und Liebe. Und erst dann zeigt sich die Präsenz des einen Selbst im Selbst. Diese Form der Präsenz ist eine kraftgebende, liebende und wissende Präsenz. Wohingegen die ersten beiden genannten Forderungen nach 100% Präsenz eher Energie abverlangen und einen aktivieren können, so ist Letztere meines Erachtens eines der ganz wichtigen Ziele im Yoga: Nämlich die Fähigkeit sich zu verneigen, vor dem Selbst in Allem und Jedem, sowie darüber hinaus. Darüber hinaus erlangen wir alle erst dann, wenn, wie Patanjali eben Yoga definiert, die Gedanken im Geiste vollständig zur Ruhe kommen. Denn das Göttliche ist nicht greifbar für Hand und Verstand. Beides gehört in die dual-materialisische Welt. Das Andere ist eben darüber hinaus.

 

Nur kann man solche eine Botschaft am Beginn einer Yogalehrer Ausbildung teilen? Die Meisten denken jetzt wahrscheinlich: Nein. Warum aber nicht? Ich persönlich spüre mich in dieser Rolle als Hatha Yogalehrer meist so: Wenn ich ganz in der Präsenz Gottes bin, fällt es mir ganz leicht über ihn/ sie/ es zu sprechen. Wenn ich aus der Präsenz gefallen bin und versuche darüber zu reden, sind das nur Worte ohne Kraft und Geschmack. Von daher lautet meine Antwort wie stets: es kommt darauf an!

 

Genau durch dieses "es kommt darauf an" ist jede Yogalehrer Ausbildung immer wieder neu und frisch und kaum vergleichbar mit vorherigen Ausbildungen. Obwohl der formale Ablauf stets der Gleiche ist, füllen alle Teilnehmer diese Form neu aus. Ebenso wie Du aus Deiner Asana Praxis jeden Tag aufs Neue die Yoga Vidya Grundreihe übst, ist zwar formal jeden Tag das Gleiche da, doch innerlich ist keine Asana wie die Andere. Und das ist das Leben und das Wunder. In dieser besonderen Ausbildung ist eine enorme Dichte an Wundern, Öffnungen, Widerständen, Schmerz, Liebe, Tränen und Lachen da. Das Leben pur!

 

Im Ausbildungsteam selber laufen immer mal wieder Prozesse zwischen den "Egos" ab. Ich benenne das deshalb so, weil es mich immer wieder daran erinnert, dass das wahre Selbst sich nicht so benehmen würde. Das Ego als solches sucht stets den Schmerz der Eitelkeit, des Angriffs, des sich-angegriffen-Fühlens, sich zur Schau zu stellen, sich über Andere zu stellen, sich nicht genug berücksichtigt zu fühlen, Unsicherheit und Zweifel zu säen. Zudem kommen die Belastungen aus der Struktur eines so großen Hauses wie zum Beispiel im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg hinzu, bei der die Ausbilder ein eigenes Team zusätzlich zu leiten haben. Mit Sicherheit ist soetwas ein Feld für großes persönliches und spirituelles Wachstum. Doch wenn die Konzentration schwindet, versucht das Ego mit aller Macht sich seinen Platz zurückzuerobern. Dann ist viel Geduld und Liebe nötig um die Prozesse der Anderen im Team aufzufangen und zu bewältigen. Und vor allem die eigenen Prozesse. Nur allzu gerne findet das Ego die Probleme der Anderen interessanter als die Eigenen.

 

Man kann es sich nicht leisten, Konflikte mit in eine Ausbildung zu nehmen. Denn das zerrt an den eigenen Nerven und am eigenen Energiehaushalt. Leider haben noch nicht alle diese nötige Reife, doch gehört es zur Lebensaufgabe dazu, durch solche Rollen, wie zum Beispiel die eines Hatha Yogalehrer, in das natürliche Leben hineinzuwachsen. Natürliches Leben kann frei sein von Ego. Nämlich in Liebe zu sein, in Liebe zu agieren und nicht im Ego-Muster zu reagieren und alle Anwesenden durch eigene Präsenz in diese Präsenz zu führen.

 

Dabei durchläuft man jedoch eine sehr unangenehme Phase. Der Andere, dessen Egomuster noch aktiv schlummert, wird durch das Agieren eines Menschen in Liebe getriggert. In den ersten zwei Wochen mag das reaktive Muster sich noch harmlos als Scherz zeigen oder sich als eine unangenehme Verbrüderung tarnen, doch irgendwann, wenn es seine Chance sieht, wird das Ego zuschlagen.

 

Wenn man Glück hat, ist man in solch einem Moment präsent. Es gibt kein Ausruhen auf dem spirituellen Pfad. Wenn man Pech hat und schon innerlich mit dem ganzen Ausbildungsprozess abgeschlossen hat, erwischt es einen kalt. Was passiert? Das eigene reaktive Muster des Egos wird angetriggert und schon hat man den Salat. Aber auch wenn man sehr präsent ist und vornehm agiert, dann können die Egos einer ganzen Gruppe über Einen herfallen. Ich glaube, jeder Leser kennt solch eine Situation aus seinem Arbeitsleben. Glücklich, derjenige wer nicht. Ich habe gelernt, das Schweigen in solch einer Situation durchaus angemessen ist.

 

Warum berichte ich dir das? Ein Hatha Yogalehrer ist nicht nur ein Hatha Yogalehrer. Er darf ein Meister der Balance in der dualen Welt sein. Und zwar in allen Lebenslagen: Privat, Arbeit, Unterricht, Freizeit: diese Unterscheidungen verlieren an Bedeutung. Das Eine wirkt sich auf das Andere aus. Und so wie du in Liebe die Anderen miterhebst, erdrückst du die Anderen durch unbeachtete Egomuster. An dieser Stelle frage ich mich: Wie empfindet eine befreite Seele in Augenblicken wie diesen?

 

Mein Dank an dieser Stelle richtet sich an alle Teilnehmer der letzten 4 wöchigen Yogalehrer Intensiv Ausbildung in Bad Meinberg vom 03.03.2019 - 31.01.2019. Ihr seid wunderbar!

Desweiteren danke ich Nirmala als fantastische Ausbildungsleiterin, Anjali als tolle zweite Hatha Yogalehrerin.

Danke auch an Keval.

 

Danke an Sukadev und gesamt Yoga Vidya. Viel Kraft für das neue Maha Mehru. Bis gleich.

Und Dank an Peter und Uwe für das neue Auto.

 

Dank an Swami Sivananda, in der Not warst du mal wieder da.

 

Und Dank an meine liebste Anni: Danke für die schöne Mantra Yin Yogastunde mit dir. Viele Herzen sind wieder offen.

 

Dank an den Leser dieser Zeilen.

 

Hari Om

 

Christian

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Tanja (Mittwoch, 03 April 2019 20:29)

    Ganz toll geschrieben . Danke fuer die Einblicke und Eindrücke, die du geteilt hast... Liebe Grüße!

  • #2

    Jeannette (Mittwoch, 03 April 2019 23:41)

    Mit Deinem wahren Selbst gehst du wunderbar auf Deine Mitmenschen ein. Sie können sich bei Dir öffnen, sich entspannen und sich erweitern. Meine zwei Wochen in Dream Team waren lebensprägend und bereichernd. Ein grosses Dankeschön an die drei grossen Meister. Egoprobleme verdienen keine Worte. Keinen Blog und sind ab sofort eliminiert. Reduziere auf das Wesentliche -das habe ich von Euch Dreien gelernt. Meditieren hilft, es zu erkennen. Danke für Alles und an Alle. Wir werden uns wiedersehen. Namaste.